Einsatz von blauen Licht bei Burnout-Patienten

Eye_Motion_GlassesWie können die Erkenntnisse über die Wirksamkeit von blauem Licht in der Praxis genutzt werden?

Seit vielen Jahren wird in der Medizin bereits erfolgreich die Lichttherapie mit weißem Licht z.B. bei Winterdepressionen genutzt. In den letzten Jahren beschäftigen sich Forscher aus der ganzen Welt immer ausgiebiger mit der Wirkung von blauem Licht und dessen Wirkung auf die Chronobiologie des menschlichen Körpers.

 


Die meisten Menschen leiden durch den modernen Lebensstil unter „Lichtmangel“. Kombiniert mit den steigenden Herausforderungen des Alltages begegnen uns in der Praxis immer häufiger Menschen mit Burnout-Symptomen wie z.B. Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, psychosomatischen Störungen, Schlafstörungen uvm. Hier kann der unterstützende Einsatz von blauem Licht eine interessante Ergänzung sein.

Kann blaues Licht Symptome lindern?

Weltweit haben Hirnforscher (USA, Belgien, Deutschland, Schweiz u.a.) herausgefunden, dass blaues Licht in der Wellenlänge von etwa 460 Nanometern eine besondere Wirkung auf den menschlichen Organismus hat. Blaues Licht stimuliert dabei über die Augennetzhaut das Gehirn und beeinflusst den Biorhythmus. Neben den Zapfen für das Farbsehen und den Stäbchen für die Helligkeit verfügt das Auge über weitere Sehzellen. Wissenschaftler entdeckten sogenannte Ganglienzellen im menschlichen Auge, die besonders auf blaues Licht reagieren und die Signale direkt ans Gehirn leiten. Über die Ganglienzellen werden vor allem die Hormone Melatonin und Serotonin beeinflusst: Blaues Licht unterdrückt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und fördert die Serotoninbildung.

„Melatonin“ regelt den biologischen Rhythmus, und der Körper schüttet dieses Hormon vor allem nachts aus. In den lichtarmen Monaten baut der Körper das überschüssige Melatonin tagsüber nicht mehr ausreichend ab, und in der Folge bleibt der Mensch müde und wird antriebsarm. Die innere Uhr funktioniert dann nicht mehr richtig und das hormonelle Gleichgewicht gerät auseinander. Das fehlende Sonnenlicht führt zu einer Störung des Melatoninhaushaltes. Der Stimmungsaufheller „Serotonin“, auch Gute- Laune-Hormon genannt, wirkt genau umgekehrt. Serotonin wirkt antriebssteigernd und wird bei Helligkeit und vermehrt in den Sommermonaten gebildet. Gerade Sonnenschein regt die Produktion von Serotonin an, und der Mensch fühlt sich energiegeladen.

Chronobiologisch wirksames Licht fördert die Produktion von Serotonin im Körper. Tagsüber ist der Mensch aktiv, gut gelaunt und leistungsfähig, abends müde und kann in einen tiefen, entspannenden und regenerativen Schlaf eintauchen.

„Licht ist ein Werkzeug, mit dem sich unsere Körperuhren neu einstellen lassen“, erklärt Schlafforscher und Psychologe Leon Lack von der Finders University in Adelaide. Blaues Licht spielt eine wichtige Rolle für das richtige Funktionieren der inneren Uhr. Die innere Uhr, auch zirkadianer Rhythmus genannt, bestimmt den Schlafrhythmus, die Stimmung, das Leistungsniveau sowie den Stoffwechsel eines Menschen.

Die meisten Menschen verbringen ihre Zeit in Räumen mit künstlicher Beleuchtung. Angestellte in modernen Einkaufszentren arbeiten in Räumen, die in der Regel ganz ohne Fenster ausgestattet sind. In vielen Unternehmen sind die Büros mit künstlichem Neonlicht ausgestattet. Die meisten Jobs sind vom ursprünglich Draußen nach Drinnen verlagert worden. Kinder sitzen lange in der Schule, und wie viel Zeit verbringen sie wirklich noch in der Natur? Kein Wunder, dass immer mehr Menschen über Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, schlechten Schlaf bis hin zu Depressionen klagen. Die meisten Menschen leiden unter einem Blaulichtmangel.

Weltweit greifen Wissenschaftler diese Ergebnisse auf und versuchen negative Folgen mit verschiedenen Maßnahmen entgegen zu wirken. In Japan wurden U-Bahn-Stationen mit blauer Lichtbeleuchtung ausgestattet, um die Suizidrate zu senken. In Amerika werden Lichtduschen für die Fernfahrer angeboten, um wieder wach und konzentriert zu sein.

Eine finnische Universität hat in Hamburger Schulen Klassenzimmer mit unterschiedlichen Lichtquellen ausgestattet. In den Unterrichtsstunden, in denen die Schüler blaues Licht durch die Deckenbeleuchtung aufnahmen, konnte ein Rückgang an Aggression, eine Minderung der motorischen Unruhe sowie ein höheres Konzentrationsvermögen und somit eine Leistungssteigerung festgestellt werden.

In Deutschland gibt es neben den Blaulichtlampen eine portable Lösung: die Lichtbrille mit blauen LEDs in der Wellenlänge von ca. 460 nm.

 

„Wie können diese Erkenntnisse für Burnout-Betroffene genutzt werden?“

Es gibt zahlreiche Faktoren, die den Menschen in den Zustand totaler Erschöpfung bringen. Lang anhaltende Überlastung oder Überforderung im Job, Mobbing, Schicksalsschläge, Krankheit, aber auch eigenes Anspruchsdenken kann zum Burnout führen.

Doch ein gewisses Maß an Stress ist für den Menschen wichtig. Er macht wach, und Herausforderungen fördern das persönliche Wachstum. Doch was geschieht, wenn ein Mensch sich in einem Dauerzustand von Stress befindet?
Bei chronischer Überlastung finden dieselben Mechanismen statt, wie bei einem Trauma – es bildet sich ein neuronales Stressnetzwerk im Gehirn (Neuro-Streß-Fragmentierung). Zeigen sich körperliche oder psychische Symptome bis hin zur totalen Erschöpfung, bleibt für viele Betroffene oft nur noch der Weg in die Reha-Klinik. Wird aber im Alltag keine Veränderung vollzogen, kehren die Symptome bei vielen Betroffenen schon nach kurzer Zeit wieder zurück. Eine Kombination aus körperlichen Therapieformen und psychotherapeutischer Unterstützung sichern unserer Erfahrung nach am ehesten eine nachhaltige Verbesserung der Symptome und Stabilität für den Menschen.

 

Wie kann blaues Licht Burnout-Betroffene unterstützen?

Eine Empfehlung wäre der tägliche mehrstündige Aufenthalt an der frischen Luft unter blauem Himmel. Hier würde der Mensch den natürlichen Blauanteil des Lichts erhalten. Doch dies ist für die meisten Menschen nicht möglich.
Alternativ gibt es schon seit Jahren Vollspektrumlampen mit weißem Licht. Eine Neuentwicklung aus Deutschland ist eine Lichtbrille mit blauen LEDs in der Wellenlänge von ca. 460nm. Bei täglicher Anwendung schildern Betroffene emotionale und körperliche Stabilität, Verbesserung der Schlafqualität und mentale Wachheit. Viele Anwender erleben nach dem Einsatz der blauen Lichtbrille von 10 – 30 Minuten einen direkt spürbar entspannenden Effekt, der positive Auswirkungen auf eine Vielzahl von stressbedingten Symptomen hat. Eine regelmäßige Anwendung kann die Schlafqualität verbessern, eine stimmungsaufhellende Wirkung haben und Schmerzen lindern.

Blaues Licht allein wird noch kein Burnout verschwinden lassen. Doch mit dem Anstieg unseres Gute-Laune-Hormons Serotonin besteht die Möglichkeit unsere emotionale Stimmungslage positiv zu beeinflussen und damit die Anforderungen des Alltages besser bewältigen zu können. Das ist in der Prävention sowie in der akuten Begleitung von Burnout-Betroffenen ein wertvoller Aspekt.

Informationen:

www.eyemotion-glasses.de

Autorin: Ulrike Pape

 

Ein Kommentar

  • Ein wirklich spannendes Thema, und ich glaube das könnte gut funktionieren, zu mindestens den Stress Pegel zu sinken oder zu lindern…
    Wurde das schon auch an Patienten getestet???
    LG

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